DER AKADEMISCHE MALER
STANISLAV HARANGOZÓ

In den siebziger und achtziger Jahren war für Stanislav Harangozó das freie Schaffen im Atelier eine Möglichkeit, die ihm den schöpferischen Raum öffnete. Das Pastell mit seinem technologischen Wesen gestattete es ihm, seine schöpferische Vitalität in unzähligen Varianten von Landschaftsmotiven zu realisieren, denen sich Stillleben und Figuren hinzugesellten. In diesen Arbeiten bestätigte er sich selbst seine Beziehung zur Malerei und ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Von der anfänglichen Bindung an das dezentere Kolorit mit naher Beziehung zur Realität, rückte er zu lockereren Positionen vor, die von konkreten Gestalten befreit waren, bis er schließlich zu Kompositionen gelangte, die durch die ursprüngliche Inspirationsquelle abstrahiert wurden. In Folge dessen gerät die Farbe - markante Farbflächen, Flecken, ihr Kontrast, Rhythmus – in den Vordergrund des Bildes. Ebenso befreite sich die Linie; statt disziplinierter begrenzter Formen, setzten sich plötzlich in der Mitte Farbkonglomerate, die die Spontaneität der Handschrift unterstützen oder unterstreichen, durch. Der Autor schreibt diese Kompositionen seiner Beziehung zur Landschaft zu, und mittels einer gewissen Menge an Metaphorik durch diese bekennt er auch seine subjektiven Gefühle.
Im erwähnten Zeitraum – in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jh. – füllte sich das Atelier des Künstlers mit Bildern, obwohl er zu dieser Zeit ein anerkannter Schöpfer von Entwürfen und Realisationen für Mosaiken aus Naturstein war, die von den konkreten Funktionen der Räume in unterschiedlichen Gebäuden und die Forderungen von Investoren und Architekten abhängig gewesen sind. Die Arbeit mit Naturstein entsprach seinem schöpferischen Naturell am meisten. In ihr kulminierte seine künstlerische Ambition und Aktivität bei der Zusammenarbeit mit den Architekten. Sie zeichnete sich durch eine solide Technologie, Disziplin und Kultiviertheit aus. Die technologischen Anforderungen, der Umfang der Arbeiten und vor allem die Realisierung durch den Autor erforderte viel Konzentration und Zeit. Trotzdem, aber auch trotz anderer Verpflichtungen, vor allem pädagogischer, kehrte er immer wieder zum malerischen Schaffen in seinem Atelier zurück. Die Zielstrebigkeit und Systematik, mit der er sie entwickelte führten dazu, dass sie verhältnismäßig früh ihre charakteristischen Konturen bekam und der Autor Reife erreichte. In den neunziger Jahren des 20. Jh., als es praktisch keine gesellschaftlichen Aufträge für an die Architektur gebundene Kunstwerke mehr gab, erhielt Harangozós Malerei einen neuen Impuls. Es entstand die durch die Veränderungen der Bedingungen für das Kunstschaffen hervorgerufene Gelegenheit, sich auf dieses Problem zu konzentrieren und sich seiner mit seinem ganzen schöpferischen Potenzial zu bemächtigen. Neben den Inspirationen durch natürliche Landschaftsformationen und Beispiele, erweiterte sich das Register der Interessen des Malen um die urbanisierte Landschaft, vor allem die städtische, besonders um Motive von Bratislava, Figurenkompositionen mit der dominanten Stellung des weiblichen Aktes, um Stillleben und sakrale Themen. Er gewann die Möglichkeit seine erworbenen Erfahrungen zu nutzen und seine Vorstellungen über sein Schaffen als Maler zu erfüllen. In höchstem Maße bemüht er sich darum, die Eigenschaften des Pastells als Ausdrucksmittel und die Möglichkeiten einer Symbiose der malerischen und zeichnerischen Vorgehensweisen zu nutzen, die das Pastell auch in der Kombination mit anderen Techniken im Schaffensprozess anbietet. Anknüpfend an die vorangegangenen Jahre entfaltet er die charakteristischen Zeichen seiner auf den expressiven Wert der Farben, auf den Farbkontrast und die Stilisierung der Formen gegründeten Malerei, die sich zusammen mit einem unterschiedlichen Maß an Abstrahierung in ihrer Funktion dem Thema oder geschaffenen Motiv unterordnen. Erscheint es auch auf den ersten Blick so, dass der Autor die visuelle Qualität der Malerei und Komposition bevorzugt, lässt sich konstatieren, dass er beiden in gleichem Maße auch die Fähigkeit einer bestimmten Aussage zuspricht. Er bemüht sich in angemessenem Ausmaß die Beziehungen und möglichen Schnittfunkte der künstlerischen und bedeutenden Werte zu kodifizieren. In Abhängigkeit von Thema, Motiv und Bedeutung, die er ihnen zuschreibt, treffen wir auf Kompositionen, die sich einmal durch die Priorität der künstlerischen Motivationen, ein anderes Mal durch das Unterstreichende des ideellen Wesens des Themas oder aber den funktionellen Sinn des Bildes auszeichnet.
Für den Maler Stanislav Harangozó bietet auch gegenwärtig das Motiv mit Landschafts-, Natur- oder Urbanisierungscharakter den größten Raum für die Realisierung. In ihm befindet sich auch die größte Möglichkeit zur Abstrahierung, zum Losreißen vom gegenständlichen Konkretum, also von der relativen Freiheit. Die häufige Überschneidungfigurativer und landschaftlicher Motive verstärkt den imaginären und metaphorischen Sinn des Bildes und die Vermehrung seiner Bedeutungszusammenhänge. Die derzeitige Malerei des Autors als natürliche und logische Begründung der Fortsetzung des vorhergegangenen Schaffens ist konzentrierter, vertiefter, vom Genre und der Bedeutung her reicher und dokumentiert neue Momente im Autorenprofil des Malers. 

PhDr. Peter Mikloš

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